Der nachstehend im Auszug veröffentlichte Brief wurde mir von einem Redakteur zur Verfügung gestellt. Dieser Zeitungsmann ist der Briefkastenonkel seines Blattes und bearbeitet Leserzuschriften. Sehr oft muß er sich dabei auch als Eheberater betätigen; denn immer mehr Menschen, mehr Frauen allerdings als Männer, wenden sich mit ihren alltäglichen Sorgen auch aus dem Intimbereich an eines der großen Familienblätter. Manches, was so einem Briefkastenredakteur auf den Tisch gelegt wird, ist indessen nicht zur Veröffentlichung gerade in seinem speziellen Blatt geeignet. Viele Leute schreiben, oft sogar unter Nennung ihres richtigen Namens, um sich sexuell abzureagieren - oder um sich aufzugeilen. Auch das gibt es nicht selten.
Leserbriefe haben durchweg einen Nachteil. Sie sind viel zu lang.
Diese Ausführlichkeit ist - von der Seite des Schreibenden her betrachtet - durchaus verständlich. Da setzt sich jemand hin, um zu einem Problem Stellung zu nehmen, das ihn bewegt. Oder er (bzw. sie) will auf etwas eingehen, das in der vorigen Ausgabe des Blattes behandelt worden ist. Solche Briefschreiber sind keine Journalisten, die immer Konzentration auf das Wesentliche üben (sollten!).
Leserbriefschreiber kommen vom Hundertsten ins Tausendste und haben unversehens Stoff für eine ganze Zeitungsseite geliefert.
Daß dabei manchmal ganze Familiengeschichten zusammenkommen, wird jeder Redakteur bestätigen, der sich einmal in diesem Milieu versucht hat. Oder aus einem Leserbrief wird unversehens eine Lebensbeichte, wie in dem vorliegenden Fall.
Bert K., nach eigenen Angaben 52 Jahre alt und nicht verheiratet, wollte offensichtlich im Ursprung nur auf ein Thema eingehen, das ihn berührte und das jenes Blatt vor einiger Zeit einer näheren Betrachtung unterzogen hatte. Seine seitenlangen Darlegungen konnten keinesfalls abgedruckt werden. Der Briefkastenredakteur fertigte einen Auszug zur Veröffentlichung an. Da mancherlei an dem Brief jenes Bert K. bemerkenswert erschien und das Geschriebene vom Schreiber sowieso zur Veröffentlichung freigegeben war, wurde mir der Brief zugänglich gemacht. Denn er paßt vorzüglich in meine Untersuchung der Frage, in wieweit das erste sexuelle Erlebnis des Menschen sein späteres Leben im Intimbereich beeinflussen kann.
Natürlich kann und soll hiermit keine Untersuchung darüber beabsichtigt sein, ob Homosexualität angeboren oder anerzogen ist.
Darüber streiten sich Wissenschaftler seit Generationen.
Hier geht es nur um die Darlegung eines einzigen Mannes, der in völliger Offenheit schildert, wie er seine eigene Gleichgeschlechtlichkeit entdeckte - oder wie er zur Homosexualität gebracht wurde. Denn die entscheidende Antwort auf die Frage: Angeboren, anerzogen oder Zufallsprodukt läßt auch Bert K. unbeantwortet.
Hier sein Brief:
"Sie haben neulich in Ihrem Blatt im Zusammenhang mit der Aufhebung des Homo-Strafparagraphen über diese Variante des menschlichen Zusammenlebens berichtet und eine Reihe von Wissenschaftlern zu Worte kommen lassen. In der nächsten Ausgabe war die Reaktion der Leserschaft in Auszügen nach- bzw. abgedruckt. Natürlich fast durchweg negativ. Das muß wohl bei Ihnen so sein. Sonst wären Sie kein Familienblatt.
Besonders berührt hat mich die kernige Sprache eines Herrn, der dem Homo-Paragraphen diverse Tränen nachweinte und der zwischen den Zeilen zu erkennen gab, daß er die 'schwulen Schweine' auch heute noch am liebsten im Konzentrationslager verrecken sehen würde. Offenbar hat er keine Ahnung, bis zu welchem Grade Homosexualität in den führenden Kreisen seiner 'glorreichen' Zeit eine Rolle gespielt hat.
Lassen wir das.
Mir geht es einzig und allein darum, einmal gleichsam als Berufener etwas zu diesem Thema zu sagen. Denn ich gehöre zu denen, die jahrelang mit ihrer Neigung und Veranlagung Versteck spielen mußten.
Sogar zu einer zeitweiligen Ehe mit einer Frau mußte ich Zuflucht nehmen, um von einer verständnislosen Gesellschaft nicht ganz ausgestoßen zu werden. Das ist jetzt endlich vorbei. Ein weiterer Schritt auf dem Wege zu einer neuen Menschlichkeit ist getan worden.
In einer anderen Leserzuschrift äußerte eine besorgte Mutter die Befürchtung, ihr Sohn könnte von homosexuellen Verführern auf den unrechten Weg gebracht werden. Die Vokabel 'unrecht' hätte der Redakteur streichen und durch 'anderen Weg' ersetzen sollen. Aber es kann wohl niemand erwarten, daß einmal auch im unserem Sinne redigiert werden würde.
Ich kann die Dame dahingehend beruhigen, daß nur in ganz außergewöhnlich seltenen Fällen junge Männer oder gar noch Jungen zur Homosexualität verführt werden. Das kommt nach meinen langjährigen Beobachtungen weitaus seltener vor, als die Verführung von elf-, zwölf- oder dreizehnjährigen Mädchen durch den guten Onkel aus der Nachbarschaft oder den lieben Freund der Familie, der sich so schön über die schwulen Schweine ereifern kann.
Jungen und junge Männer, die zur Homosexualität neigen und einen passenden Freund wünschen, suchen ihn von sich aus - und finden ihn meistens. Das hat nichts mit Verführung zu tun, sondern entspricht der Suche des 'normalen' jungen Mannes nach dem Mädchen, mit dem er seine sexuellen Dränge abreagieren kann.
Bekannt und von der Wissenschaft kaum mehr bestritten ist ja auch die Tatsache, daß die Menschen in ihrer Kindheits- bzw. Entwicklungsphase zweigeschlechtliche Wesen sind, nämlich in ihrem Empfinden und in ihren Gefühlen. Jungen zu Jungen, Mädchen zu Mädchen - diese von allen Eltern bei ihren Kindern in jenem gewissen Alter so erwünschte Teilung der Geschlechter ist nichts anderes als das mehr oder weniger bewußte Durchlaufen einer gleichgeschlechtlichen Entwicklungsstufe, deren Endphase dann eben die endgültige Zuneigung zu dem einen oder dem anderen Geschlecht ist.
Daß dabei frühe Sexualerlebnisse eine Rolle spielen, habe ich am eigenen Leibe erfahren. Aber nicht nur Sexualerlebnisse, sondern sehr oft auch Dinge (Erlebnisse), die man nicht unbedingt diesem Bereich zuschreiben würde.
Ich entstamme einer gutbürgerlichen Familie mit vier Kindern. Meine drei älteren Schwestern haben mich, den kleinen Nachkömmling, von Anfang an irgendwie mit Beschlag belegt. Ich wuchs in einen Kreis von Mädchen hinein, die meine ganz selbstverständliche Umgebung mit allen daraus resultierenden Entwicklungen darstellte.
Es kam immer wieder vor, daß ich von meinen Schwestern als eine Art lebendige Anziehpuppe benutzt und in Mädchenkleider gesteckt wurde.
Das mißfiel mir selbst im bereits schulpflichtigen Alter keineswegs.
Manchmal verkleidete ich mich vor dem Spiegel aus eigenem Antrieb als Mädchen.
In unserem wohlbehüteten (im bürgerlichen Sinne) Elternhause wurde natürlich über Sex nicht gesprochen. Rückblickend verwundert es mich, daß ich so lange Zeit das große Kinderzimmer mit meinen drei Schwestern habe teilen müssen. Erst relativ spät, um nicht zu sagen zu spät wurde eine Bodenkammer für den heranwachsenden Jüngling ausgebaut.
Bis dahin aber hatte ich bereits eine Reihe einschneidender Erlebnisse gehabt.
Da ich, wie berichtet, von meinen Schwestern fast als ihresgleichen angesehen und behandelt wurde, hatten sie auch wenig Scheu vor mir, als sich bei den beiden ältesten ziemlich gleichzeitig der körperliche Reifeprozeß einstellte.
Was es damit auf sich hatte, war mir aus Gesprächen mit anderen Jungen längst bekannt. Mädchen und Frauen bluten manchmal zwischen den Beinen. Eine unvorstellbare und unheimliche Sache für einen Jungen.
Einmal kamen wir im Winter bei Glatteis aus der Schule. Ein mir entgegenkommendes Mädchen mit schon sichtbarem Busen - ich starrte damals allen Mädchen wie hypnotisiert auf die Brüste - rutschte plötzlich aus und schlitterte mit hochgezogenen Beinen und dementsprechend hochgeflogenem Rock direkt auf mich zu. Mir konnte nicht entgehen, daß die Hose des Mädchens oben zwischen den Beinen ganz blutig war. (Vermutlich war sie in der Schule von ihrer Periode überrascht worden.) Eine Frau neben mir rief: 'Oh Gott, wie peinlich!' und schob mich ziemlich heftig beiseite, um dem direkt vor meinen Füßen liegenden Mädchen auf die Beine zu helfen.
Ich fand den Anblick, der sich mir da unversehens geboten hatte, einfach widerlich.
Etwas später, aber wohl noch im selben Winter, suchte ich im Kinderzimmer etwas und sah dabei auch ins Nachtschränkchen einer der Schwestern. Was mir entgegen fiel, hatte ich freilich nicht gesucht. Es waren mehrere Paar durchblutete Hosen und ein wurstähnliches, dunkelrotes Gebilde, das ich erst anfaßte und dann voller Ekel fallen ließ, als ich die verkrustete Monatsbinde erkannte.
Aus diesem Vorkommnis möge man nun bitte nicht schließen, bei uns daheim sei es dreckig zugegangen und meine Schwestern wären Ferkel gewesen. Benutzte, selbst stark angeschmutzte Wäsche mußte halt manchmal eine Woche und mehr auf die große Wäsche warten. Ich war nicht der einzige Junge, der mal beim Kramen auf angeblutete Frauenwäsche gestoßen wäre.
Auf mich aber machte auch dieses zweite Erlebnis einen widerwärtigen Eindruck. Ich war so schockiert, daß ich fortan meinen Schwestern und allen anderen Mädchen auswich, wo ich nur konnte.
Andererseits hatte ich an Freunden keinen Mangel. Denn ein Junge mit drei Schwestern bildet unter den Heranwachsenden einen ganz natürlichen Anziehungspunkt.
Drei oder vier Jungen, zwei davon älter als ich, bildeten die erste Freundesclique, in die ich hineingeriet. Wir erprobten unsere ersten Zigaretten zusammen, redeten großspurig über die 'Weiber' und was wir alles von ihnen wußten. Irgendwie war es Mode geworden, daß man sein Taschengeld zusammenlegte und ein paar Flaschen billigen Südwein kaufte. Den tranken wir dann draußen am Flußufer und hatten bei der Heimkehr alle Mühe, unseren leicht benebelten Zustand zu verheimlichen.
Wenn Männer miteinander trinken, reden sie über Weiber und erzählen sich Zoten. Bei heranwachsenden Jungen ist es nicht anders.
Mittlerweile wußten wir vier voneinander, daß Masturbation ein gutes Mittel ist, wenn man abends nicht einschlafen kann, weil einem der Prügel die Bettdecke hochhebt. Unter dem Einfluß des Alkohols fielen ziemlich bald die Hemmungen. Wir onanierten ohne Scham voreinander und begutachteten, wieviel der eine oder andere dabei ausspuckte. In jener Zeit ist es nur zweimal, höchstens dreimal vorgekommen, daß einer dem anderen einen 'runterholte', wie wir die Masturbation eines anderen Penis damals nannten.
Das hatte wenig mit homosexuellem Verhalten zu tun. Nicht wenige Jungen machen diese Phase durch und bringen sie hinter sich.
Nur für mich stellte sich eine bemerkenswerte Erkenntnis ein. Jungen waren sauberer als Mädchen und sie rochen auch besser.
Dennoch suchte ich zu jener Zeit noch keineswegs die sexuell betonte Freundschaft mit Jungen, sondern bemühte mich, wie die meisten anderen, darum, endlich mal ein weibliches Wesen zu 'umzunageln'.
Ich benutze absichtlich diese wenig feinen Ausdrücke aus unserer Jugendzeit, um zu beweisen, daß ich alle Dinge wirklich erlebt und mitgemacht habe.
Nach dem Besuch der Realschule stand ich vor der Berufswahl. Vater wollte aus mir nach eigenem Vorbild einen Beamten machen. Da stieß er bei mir auf Ablehnung. Mein bestes Fach war Zeichnen. Am liebsten wäre ich Kunstmaler geworden. Der Berufsberater brachte mich auf die Idee, ein passendes Handwerk zu erlernen, danach die Kunstgewerbeschule zu besuchen und dann Schaufenstergestalter oder ähnliches zu werden. Ich bin ihm heute noch dankbar für diesen Rat. Ich leite die Dekorationsabteilung einer Warenhauskette.
Mein Vater hielt das für Weiberkram und war dagegen. Meine guten bis sehr guten Zeugnisse stimmten ihn um. Aber, irgendwie erscheint mir in der Rückschau auch bedeutsam, daß ich unversehens in einen Beruf mit starken weiblichen Akzenten geraten bin.
Das mit dem 'Umnageln' eines weiblichen Wesens wollte und wollte bei mir nicht klappen. Ein paarmal war ich kurz davor, wie ich meinte.
Aber entweder stellte ich mich zu dumm an - schüchtern war ich bestimmt nicht - oder ich hatte noch unbewußte Hemmungen. Immer nach solchen Enttäuschungen schloß ich mich wieder fester an andere junge Männer an.
Meine Eltern sahen es natürlich nicht gern, daß ich mich abendelang herumtrieb und manchmal sogar betrunken heimkam. Vor allem meine gute Mutter hatte darunter zu leiden. Denn als Vater mit mir nicht mehr fertig wurde, überhäufte er Mutter mit Vorwürfen, sie habe mich durch ihre 'weibische' Erziehung viel zu schlapp angefaßt, bis es zu spät war.
In jener Zeit wurde ich für die großen Ferien zu einem Onkel, dem Bruder meiner Mutter eingeladen. Jenem Onkel Karl ging in der Familie der Ruf voraus, ein flotter Lebemann zu sein. Andererseits galt er offenbar als guter Ehemann und Familienvater. Wie ich später herausbekam, war er das auch - dank der Großzügigkeit und dem Verständnis seiner Frau, meiner Tante Annelene. Wenn Karl das hatte, was er fröhlich seine 'Semmelwoche' nannte, dann ließ sie ihn halt seinen Zug durch die Kneipen machen.
Als erstes ließ mich der begüterte Onkel den Führerschein erwerben.
Das war damals für einen gerade Achtzehnjährigen durchaus nicht so selbstverständlich wie heutzutage. Onkel Karl verfolgte damit einen bestimmten Zweck. Denn jetzt hatte er einen Fahrer, wenn er sich vollgetrunken hatte.
Ich hatte herrliche Ferien bei ihm. Denn ich wurde als Mann unter Männern behandelt, lernte bald Skatspielen und wurde auf Sauftouren mitgenommen. Nur, ich bekam wenig zu trinken, um noch sicher heimfahren zu können.
Bei einer solchen Gelegenheit zog die ganze Männerclique in mehreren Wagen hinaus auf irgendein Dorf. Dort war ein Lokal mit Damenbedienung. An diesem Abend fragte mich der bereits stark angesäuselte Onkel, ob ich überhaupt schon mal ein Mädel gehabt hätte - so richtig gehabt. Das mußte ich nach einigem Herumdrucksen verneinen.
Wie mir denn Christa, die junge Kellnerin gefalle, wollte mein Onkel wissen. Das Mädchen war ein dunkler Zigeunertyp, recht hübsch, mit ausladendem Busen und strammen Beinen. Die Männer faßten ihr beim Servieren immer unter den Rock und gingen in jeder Beziehung mehr als frei mit ihr um.
Irgendwann im Laufe des Abends sah ich meinen Onkel mit der Christa an der Theke verhandeln. Er kehrte aber an den Tisch und zu seinen Skatkarten zurück. Die Kellnerin brachte noch eine neue Runde.
Mittlerweile war es im Lokal ruhig geworden - bis auf die lärmende Runde am Tisch des Onkels. Christa verschwand. Mein Onkel flüsterte mir zu: 'Wenn du die Treppe raufgehst, erste Tür rechts. Die Christa wartet auf dich.' Damit schubste er mich einfach vom Stuhl. Beklommen ging ich hinaus - und zuerst einmal auf die Toilette. So so, die Christa wartete auf mich. Weshalb wohl? Nach einigem Zögern schlich ich die Treppe hinauf und klopfte leise an die mir bezeichnete Tür.
Sie wurde fast sofort aufgerissen. Christa zog mich in ihr halbdunkles Zimmer.
'Wo steckst du denn so lange?' sagte sie, nicht eben unfreundlich, aber doch etwas ungeduldig. 'Ich muß gleich wieder hinunter.' Damit hob sie ungeniert ihren Rock, zog sich die Schlüpfer aus und legte sich rücklings so aufs Bett, daß ihre Beine über die Kante hingen und die Füße auf dem Boden standen. 'Komm schon. Oder willst du etwa nicht?' Der Anblick ihres schwarzen Haardreiecks zwischen den fülligen Oberschenkeln erregte mich so, daß ich Mühe hatte, die Hose aufzuknöpfen. So stark drängte mein Penis gegen den Stoff. Endlich hatte ich ihn im Freien. Wie nun? Christa bedeutete mir, vor dem Bett niederzuknien. Kaum war ich unten, ergriff sie mein Glied und dirigierte es in ihre aufnahmebereite Spalte. Ihr Hintern begann auf der harten Bettkante zu kreisen. Mit einer Hand an meiner Hüfte brachte sie mich richtig in Schwung. Ich stieß tief in sie hinein, fuhr hin und her - und hatte - wie mir schien - schon nach wenigen Sekunden einen Orgasmus. Oder doch nicht? Doch, jawohl - die vielerfahrene Frau hatte an dem Rucken meines Gliedes das Einsetzen meines Höhepunktes erkannt und drückte mich mit der Hand so von sich weg, daß mein Penis aus ihrer Scheide fuhr. Zwei, drei Tropfen fielen auf ihre Oberschenkel. Ich hatte keineswegs das überwältigende Gefühl dabei, wie wir es uns in unseren Jungenphantastereien immer ausgemalt hatten.
Christa stand ziemlich abrupt auf, ging zum Waschbecken in der Ecke, säuberte sich oberflächlich und zog ihre Schlüpfer wieder an.
'Du kannst dich auch da waschen', sagte sie von der Tür her. 'Aber bleib nicht zu lange weg. Der Wirt hat zwar nichts dagegen, wenn ich mich mal zwischendurch ficken lasse. Ist ja gut fürs Geschäft. Bloß auffallen darf es nicht. Verstanden?' Mir war auf einmal klar, daß ich an eine Hure geraten war, die mein Onkel großzügig vorher bezahlt hatte. Mehr beschämt als beglückt trottete ich mit herunterhängender Hose in die Ecke und wusch mir den feuchten Schleim vom Penis. Mir war auf einmal so, als mochte ich ihn nicht mehr anfassen. Auch wußte ich nicht, ob ich nun meinem großzügigen Onkel dankbar sein sollte oder nicht.
Ich war es nicht. Aber aus einem ganz anderen Grunde. Als ich nämlich ins Lokal zurückkehrte, saß die Christa bei den betrunkenen Männern am Tisch. Karl hatte seine Hand in ihrer weit ausgeschnittenen Bluse und fummelte an ihrem Busen herum. Als ich an den Tisch trat, brach die Männerrunde in schallendes Gelächter aus.
'Er hat seinen Jungfernstich gemacht - er hat seinen Jungfernstich gemacht! Das kostet eine Runde! So etwas kann man nicht so trocken ablaufen lassen!' schrien und riefen die Männer durcheinander. Christa lachte kräftig mit. Ich stand wie ein begossener Pudel dabei und wurde rot bis unter die Haarwurzeln. Heiße Wut überflutete mich. Onkel Karl hatte den Männern erzählt, was oben bei Christa passierte. Vielleicht hatte die ganze Bande hinter der Tür gelauscht. Onkel Karl drückte mir einen Geldschein in die Hand und sagte, ich sollte mich bloß nicht so anstellen. Wer seinen Jungfernstich gemacht, also zum ersten Male richtig gefickt hätte, der müsse natürlich einen ausgeben. Das sei auf dem Dorf so Brauch. Also bestellte ich vom geschenkten Geld eine Runde Korn und Bier. Damit war ich aufgenommen in die Gesellschaft der Männer. Aber ich fühlte mich nicht wohl darin. Jedesmal, wenn ich die Christa ansah und mir vorstellte, wie sie zwischen den Beinen aussah, wurde ich rot.
Auf dem Heimwege waren die Männer, ich hatte Onkels Wagen voll mit Betrunkenen, sehr fröhlich. Ich war still und irgendwie erschüttert - anders kann ich es nicht ausdrücken.
Obwohl mein Onkel mir noch ein paarmal anbot, bei der Christa für mich zu bezahlen, bin ich nicht wieder zu ihr hinaufgegangen. Sie ekelte mich einfach an.
Etwas später, es mag wohl im Herbst desselben Jahres gewesen sein, arbeitete ich als Aushilfe in einem Gardinenhaus. Meine Hauptaufgabe bestand im Ausliefern und Anbringen der Gardinen, die von den Kundinnen im Laden ausgesucht worden waren.
Ein solcher Auftrag führte mich eines Tages ins Villenviertel der Stadt, zu irgendwelchen ganz vornehmen Leuten. Die Hausfrau, eine füllige Vierzigerin mit Tränensäcken, beaufsichtigte mich bei der Arbeit. Sie muß wohl zu ihrer Zufriedenheit ausgefallen sein; denn ich wurde mit einem großzügigen Trinkgeld entlassen.
Schon am nächsten Tag, kurz vor Geschäftsschluß, rief diese Kundin an und verlangte, daß ich sofort noch einmal zu ihr hinaus käme. Die gestern so fein aufgesteckte Gardine habe inzwischen eine häßliche Falte geworfen. Das kam bei den damaligen Textilien nicht selten vor.
Da ich sowieso nichts anderes vorhatte, war ich mit den extra bezahlten Überstunden einverstanden und fuhr hin. Die Dame war wiederum allein - nur irgendwie anders als am Tage vorher.
Als ich im Salon auf dem Couchtisch zwei Flaschen mit Wodka und Wermut erblickte, wurde mir klar, daß die Gute inzwischen einen gezwitschert haben mußte. Sie versuchte so etwas wie ein fröhliches Gespräch mit mir, hielt mich am Bein fest, weil sie angeblich Angst hatte, ich könne von der Leiter fallen - und fuhr mir, als ich nach getaner Arbeit herunter kletterte, unversehens zwischen den Beinen hoch. Das war mir im ersten Augenblick nicht unangenehm. Denn ich hatte mich damals mit Mühe daran gewöhnt, nur mehr höchstens zweimal in der Woche zu masturbieren. In übrigen war ich immer noch auf der Suche nach einem Mädchen, mit dem ich es endlich einmal 'richtig' ausprobieren konnte. Warum also nicht eine reife, nicht unschöne Frau?
Ich trank den mir angebotenen Cocktail und wendete auch nichts ein, als mich die Dame rücklings auf die Couch drängte. Sie öffnete mir die Hose und nahm sich meiner so liebevoll an, daß ich fast unter ihren Fingern explodiert wäre. Das war aber nicht im beiderseitigen Sinn. In Null Komma Nichts hatte sie sich ausgezogen. Erst als sie mich küßte, störte mich ihr nach Alkohol riechender Atem. Gleich darauf hockte sie über mir und ritt wie verrückt auf mir herum. Das tat mir weh, denn ich stieß irgendwo in ihren Tiefen gegen etwas Hartes, vermutlich einen Pessarring, den sie zum Schutz gegen eine Empfängnis trug. Ihr kam es ein paarmal hintereinander, mir dagegen nicht. Ich sei ja ein ganz toller Hecht, lobte mich die Dame. Wir wollten gleich noch eine andere Stellung ausprobieren. Ich mußte vor der Couch knien, während sie auf der Kante saß und sich dabei mit den Armen nach rückwärts abstützte. Ich fuhr in sie hinein und erlebte etwas Ähnliches, wie damals bei Christa. Obwohl ich nicht im entscheidenden Augenblick aus dem Paradies vertrieben wurde und meine Partnerin meine Bemühungen sehr zu schätzen schien, ergab sich für mich allenfalls der Schatten eines Höhepunktes. Ich kam in ihr - und irgendwie wiederum auch nicht.
Unmittelbar nachdem dieser unergiebige Höhepunkt verklungen war, ekelte mich dieses Weib nur noch an. Wenn sie lachte und gurrte, schlug ihr Alkoholatem über mich hin. Ihre schlaffen Brüste baumelten.
Und aus der haarigen Grube zwischen ihren Schenkeln stieg ein süßsäuerlicher Geruch auf. Ich konnte das Würgen in meiner Kehle nur unterdrücken, indem ich schnell noch einen Cocktail kippte.
Das war mein zweiter und letzter Versuch mit einer Frau.
Kurze Zeit später lernte ich Hans-Ullrich kennen. Er war erheblich älter als ich, ein sehr gepflegter Mann mit vorzüglichen Manieren. Ich war mit meiner Mutter im Theater. Meine älteste Schwester war auch mit. Vater war ja für so 'nen Kram, wie er es nannte, nicht zu haben.
In der Pause tranken wir im Foyer ein Glas Wein oder Sekt. Als meine Schwester eine Zigarette aus der Packung nahm, ließ der Herr neben uns sein goldenes Feuerzeug aufflammen. Daraus entwickelte sich ein Gespräch. Mutter lehnte nicht ab, als uns der neue Bekannte nach der Vorstellung noch ins Theaterrestaurant einlud. Mit dem Scharfblick der Mutter und nach einigen unverfänglichen Fragen fand sie heraus, daß Herr T. Junggeselle sei - also eine mögliche Partie für die heiratsfähige Tochter. Hans-Ullrich T. war ein glänzender Unterhalter - und im übrigen Direktor eines großen Dachziegelwerkes. Daß ich Dekorateur sei, interessierte ihn ganz besonders. Er suche schon lange nach einem Innenraumgestalter, der seine kleine Villa endlich mal geschmackvoll ausstaffieren könne.
Meine Mutter hatte nichts dagegen, im Gegenteil, sie drängte mich förmlich diese Chance wahrzunehmen. Die Villa eines Direktors einzurichten, sei doch eine fabelhafte Aufgabe für mich, und so weiter.
Natürlich glaubte sie, über den Sohn für die Tochter eine erfolgversprechende Verbindung enger knüpfen zu können.
Ich habe Hans-Ullrich tatsächlich einige Räume hergerichtet. Wenn er vom Werk zurückkam, bereitete er immer eigenhändig das Abendessen, an dem ich teilnehmen mußte. Das Haus wurde vormittags von einer Frau in Ordnung gebracht, die er praktisch nie zu Gesicht bekam. Er hatte eine Vorliebe für süße Liköre, die mir weitaus besser mundeten als die harten Getränke, die ich bis dahin kennengelernt hatte.
Wir saßen oft und viel zusammen, hörten gute Musik oder betrachteten eine seiner vielen Mappen mit Graphiken, die er sammelte. Bald fiel mir auf, daß er fast ausschließlich Bilder von nackten Männern und Jünglingen besaß. Herrliche Körper waren darunter, deren Anblick mich eigentümlich erregte.
Hans-Ullrichs Nähe erfüllte mich irgendwie mit dem Gefühl einer bislang unbekannten Geborgenheit. Ich konnte meinen Kopf an seine Schulter lehnen. Er roch immer nach einer ungemein aufregenden Lotion.
Seine Freundlichkeit, sein ausgeglichenes Wesen - kurzum, ich sehnte mich nach dieser Geborgenheit, wenn ich einmal mehrere Tage lang seine Gesellschaft nicht genossen hatte.
Ich glaube, so ist mehr als ein Vierteljahr vergangen. Mutter hatte ihre Pläne bezüglich der ältesten Tochter wohl aufgegeben. Aber sie schätzte mich glücklich, daß ich die Freundschaft eines so bedeutenden Mannes gewonnen hatte. Von ihm könne ich gewiß vieles in bezug auf die feine Lebensart lernen, an der es meinem Vater so sehr fehlte.
Die Abende bei Hans-Ullrich wurden mir zum Herzensbedürfnis. Ich war unglücklich, wenn er aus irgendeinem Grunde keine Zeit für mich hatte.
An einem Sonntagnachmittag, wir hatten zusammen gegessen, Kaffee und Likörchen getrunken, saßen wir wieder einmal bei seinen geliebten Graphiken. Wie dieser griechische Jüngling, so meinte mein Freund plötzlich, müsse ich doch wohl auch gebaut sein. Ob er mich nicht einmal so sehen dürfe?
Wie denn?
Nun, nackt wie diese Zeichnung.
Wie unter einem Zwang zog ich mich aus. Mit vor Zärtlichkeit und Verlangen verschwimmenden Blicken betrachtete mich Hans-Ullrich, ehe er sich mir näherte und meine Haut mit Küssen bedeckte.
An diesem Tag habe ich zum ersten Male erlebt, wie beglückend körperliche Vertrautheit sein kann. Da war nichts von dem rohen Masturbierspiel der Jungen. Da war keine schleimige, keine nach Alkohol riechende Frau. Da war Sauberkeit, wohlduftende Haut - da war Zärtlichkeit und sehnendes Verlangen.
Ich war dort angekommen, wo ich offenbar daheim war. Die unschönen ersten sexuellen Erlebnisse waren ausgelöscht und weggewischt. Ich war auf dem anderen Weg, der sich als der für mich einzig richtige erwiesen hat."